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18.05.2009 00:00 Alter: 8 yrs

Lehman: Angebote und Prozesse

Kategorie: Lehman Brothers
Von: Hauke Maack

Lehman Anleger: Prozesse und Angebote

Die Prozesswelle der Lehman-Anleger kommt allmählich ins Rollen. Die Entwicklung der anhängigen Prozesse gibt Hoffnung, dass Anleger Schadensersatz erhalten. Gleichzeitig wird den Lehmann-Anlegern über ihre Hausbanken ein Angebot unterbreitet, Forderungen für einen Betrag von nur 2% der Kapitalanlage zu verkaufen.

Bundesweit werden in mehreren Prozessen Gerichtsverfahren gegen Großbanken und Sparkassen geführt, welche häufig älteren Anlegern Papiere der insolventen "Lehman Bank" veräußert haben. Aus den laufenden Prozessen zeichnet sich gegenwärtig die Tendenz ab, dass den Lehman Anlegern Schadensersatzansprüche gegen ihre Hausbanken zuerkannt werden. Die Gesamtsumme der Anlagen bei der "Lehman Bank" wird mit ca. einer Milliarde Euro angenommen. Teilweise wird von 50.000 Anlegern ausgegangen. Ende April ist ein weiteres positives Urteil zugunsten von Lehman Anlegern ergangen. Das Frankfurter Landgericht gab einem Kunden der Frankfurter Sparkasse recht, der bei deren Online-Tochter Geld in Lehman-Papieren investiert hatte. Die Sparkasse wurde zur Rückzahlung von insgesamt 50.000,00 € zuzüglich Zinsen und Anwaltskosten verurteilt. In einem weiteren Verfahren bei dem Landgericht Hamburg fand bereits eine erste Verhandlung statt. Innerhalb dessen hat sich das Gericht dahingehend geäußert, dass es hier ebenfalls einige Problempunkte zu Lasten der Hamburger Sparkasse sehen würde. Der Hamburger Anleger hatte sein Geld vorher in einer einlagengesicherten Anlage untergebracht. Seine vorherige Geldanlage war durch den Entschädigungsfonds abgesichert, so dass er im Falle einer Pleite eine fast vollständige Erstattung seines Geldes hätte verlangen können. Auf Anraten der dortigen Sparkasse war er aus der einlagegesicherten Anlage in ein Produkt gewechselt, dass nicht der Einlagensicherung der Banken unterlag. Das Hamburger Gericht hält es hier für möglich, dass alleine dieser Wechsel von der Einlagensicherung in eine ungesicherte Anlage mit einem Beratungsfehler der Bank verbunden war. Ein anderer Ansatzpunkt für geschädigte Kapitalanleger besteht in der sogenannten Rückvergütung, im Fachjargon auch "Kickback" genannt. Oftmals ist es so, dass die Hausbank von dem Anlageunternehmen für die Vermittlung der Kapitalanlage eine Vergütung erhält. Nach der mittlerweile gefestigten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes muss ein Anlageberater seinen Kunden darauf hinweisen, dass er eine solche Rückvergütung erhält. Weist er nicht auf diese Zusatzprovision hin, besteht zugunsten des Anlegers die gute Aussicht, dass der Anleger wegen dieses Beratungsfehlers von seiner Bank oder Sparkasse einen Schadensersatz in voller Höhe verlangen kann. Uns liegen hier aus Informationsmaterial beteiligter Anlageberater schriftliche Nachweise vor, dass solche Rückvergütungen gezahlt wurden, ohne dass dieses dem jeweiligen Anleger bis zur Leistung seiner Unterschrift auch nur im Ansatz erläutert worden wäre.

Während dessen gibt es sogar den Versuch einer Verfassungsbeschwerde. Aufgrund der Finanzkrise hat die Bundesregierung im Rahmen des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes einen sogenannten Rettungsschirm geschaffen. Eine Anlegerin ist der Auffassung, dass es nicht einzusehen sei, dass der Bund ausschließlich den Banken Wertpapiere abkauft, währenddessen Privatanleger mit solchen Papieren überhaupt nicht unterstützt werden und auf der Strecke bleiben.

Zwischenzeitlich erhalten Anleger von ihrer Hausbank Angebote einer Andria Capital AG, welche angeblich in Rödermark ansässig sei. Hier liegen Nachweise vor, dass über die Hausbank ein "öffentliches Kaufangebot" der Andria AG unterbreitet wird. Diese bietet den Anlegern an, die Kapitalanlage zu erwerben und hierfür ein Entgelt in Höhe von 2% des Nennwertes zu begleichen. Bei einer Kapitalanlage von 30.000,00 € würde so ein Betrag von 600,00 € für die gesamte Kapitalanlage gezahlt werden. Aufgrund dessen hat sich das Magazin "plusminus" von der ARD auf den Weg gemacht, um mit der Andria AG zu sprechen. Wie das Magazin mitteilte, habe es in Rödermark noch nicht einmal einen Briefkasten der Firma finden können. Dann habe man dort Informationen erhalten, dass der Firmensitz nach Bremen in den Stadtteil Neustadt verlegt worden sei. Dort sei aber ebenfalls kein Klingelschild aufzufinden gewesen. Ein Angebot, dass über die Hausbank unterbreitet wird und bei welchen die anbietende Gesellschaft selbst für ein großes Wirtschaftsmagazin nicht ermittelbar ist, sollte äußerst vorsichtig behandelt werden. Dieses gilt um so mehr, da in dem Angebot auch nicht ersichtlich ist, ob damit etwaige Schadensersatzansprüche aus der Anlageberatung gegen die Hausbank ausgeschlossen sein können. Anleger laufen daher Gefahr, nur einen minimalen Bruchteil ihrer Kapitalanlage zu erhalten und gleichzeitig ihre vielleicht sehr berechtigten Ansprüche gegen die Hausbank oder Sparkasse zu verlieren.

Viele Anleger, die für eine Auseinandersetzung mit ihrer Hausbank keine Kostenabsicherung über eine Rechtsschutzversicherung haben, befürchten, durch eine Prozessniederlage hier noch weiteres Geld zu verlieren. Eine Absicherung kann jedoch vielmals durch einen Prozessfinanzierer erfolgen. Dieser übernimmt das volle Kostenrisiko einer prozessualen Auseinandersetzung. Als Entgelt für diesen Kostenaufwand läßt der Prozessfinanzierer sich für den Erfolgsfall eine Gewinnbeteiligung zwischen 20 bis 30% versprechen. Das bedeutet für den Anleger zwar eine Gewinneinbuße, hat jedoch den Vorteil, dass eine gerichtliche Auseinandersetzung ohne Kostenrisiko geführt werden kann.


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