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14.09.2011 16:43 Alter: 6 yrs

Landgericht Hannover spricht Anleger-Ehepaar Schadenersatz zu

Kategorie: Lehman Brothers
Von: RA Birgit Spiza

Das Landgericht Hannover hat einem Ehepaar wegen Falschberatung gegenüber der TARGOBANK Schadensersatzansprüche zugesprochen. Danach muss die TARGOBANK Zertifikate des Bankhauses Lehman Brothers zurücknehmen und den Anlegern das angelegte Geld erstatten.

 

Nach Berichterstattung des Handelsblattes habe in dem durch das Landgericht Hannover zu entscheidenden Fall ein Ehepaar eine besonders sichere Anlage gesucht. Gleichwohl hätte das durch die Bank erstellte Risikoprofil einen erhöhten Risikoanteil als "ausdrücklicher Kundenwunsch" ausgewiesen. Dieses sei auf das durch die TARGOBANK angewandte Computersystem rückführbar. Dort werde den Orderdokumenten automatisch der Zusatz "ausdrücklicher Kundenwunsch" hinzugefügt, wenn der Risikoanteil im Wertpapierdepot des Anlegers überschritten werde. Entsprechend hätte nach Auffassung des Landgerichts Hannover die Bank einen ausdrücklichen Hinweis dazu erteilen müssen. Dieses ist jedoch offensichtlich nicht geschehen (LG Hannover, Urteil vom 01.09.2011 - 8 O 96/10).

 

Aus 2 weiteren Entscheidungen ist bekannt, dass das Landgericht Düsseldorf Kritik an dem durch die TARGOBANK verwandten Computerprogramm geübt hat. Durch das Landgericht Düsseldorf wurde die TARGOBANK ebenfalls verurteilt, einem Anleger den erlittenen Verlust vollständig zu ersetzen. Insoweit ist das Landgericht in Düsseldorf zu der Schlussfolgerung gelangt, dass das von der TARGOBANK eingesetzte Computersystem, insbesondere das mit diesem Programm erstellte Risikoprofil nicht geeignet sei, um für den Kunden die geeignetste Anlage zu finden und die Wünsche und die Vorstellungen des Kunden zu ermitteln (LG Düsseldorf, Urteile vom 16.06.2010 - 10 O 146/09 - und Urteil vom 05.11.2010 - 1 O 473/09 -).

 

Das Urteil des Landgerichts Hannover macht damit ein weiteres Mal deutlich, dass Anleger auch weiterhin ihre Chance nutzen sollten, die Auseinandersetzung mit der sie beratenden Bank oder Sparkasse zu suchen, um ihr Geld, welches sie in Zertifikate des Bankhauses Lehman Brothers investiert haben, von dort erstattet zu verlangen.

 

Laut Stiftung Warentest hätten ca. 17.100 Kunden einen Kulanzantrag bei der Targobank gestellt. Lediglich in 3.736 Fällen habe die Bank eine Kulanzzahlung vorgenommen. Das entspricht einer Quote von lediglich 22 %.

 

Wir raten daher allen Anlegern, die bislang die Auseinandersetzung mit ihrer Bank/Sparkasse noch nicht gesucht haben, sich umgehend Rat bei auf das Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Rechtsanwälten einzuholen. Unter Umständen ist insoweit jedoch Eile geboten, weil Schadensersatzansprüche verjähren können. In vielen Fällen ist es noch nicht zu spät, und Ansprüche können auch unter Verjährungsgesichtspunkten durchaus erfolgreich durchgesetzt werden.


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