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Erbrecht, Testament und Pflichtteil

 

Erbrecht. Ein Thema, mit dem sich viele bereits einmal auseinandersetzen mussten. Ist ein naher Angehöriger verstorben, so treten zusätzlich zu dem persönlichen Leid Fragen auf, wie es mit der Hinterlassenschaft weiter gehen soll. Gut ist es, wenn hier zu Lebzeiten klare Regelungen getroffen wurden.

Erbrechtliche Fragen treten daher sowohl für denjenigen auf, der seinen eigenen Nachlass noch zu Lebzeiten regeln will. Sie treten aber auch für Angehörige nach dem Tod eines Verwandten auf. 

Der Erbalsser stellt die Frage:

Wie soll der eigene Nachlass geregelt werden?

Der Angehörige stellt die Frage:

Wie ist meine Situation als Erbe?

 

Die nachstehende Darstellung gibt einen Überblick über die beiden Fragestellungen. Es handelt sich um einen ersten Einstieg, der eine ausführliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann.

 

Das Testament

Entscheidet sich eine Person dazu, von der gesetzlichen Erbfolge abweichen und ein Testament errichten zu wollen, so bieten sich ihr verschiedene Möglichkeiten. Zu unterscheiden ist insoweit zwischen

- einem privaten Testament
- einem notariellen Testament
- einem gemeinschaftlichen Testament.

1. Das private Testament

Bei einem privaten Testament verfasst der Erblasser selbst seinen letzten Willen handschriftlich.

2. Das notarielle Testament

Bei einem notariellen (auch öffentlichen) Testament wird der letzte Wille durch eine öffentliche Urkunde festgehalten. Hierzu muss der Erblasser einen Notar aufsuchen, welcher das Testament sodann nach den Vorgaben des Erblassers erstellt.

3. Das gemeinschaftliche Testament

Ein gemeinschaftliches Testament können nur Ehegatten und eingetragene Lebenspartner errichten. Am weitesten verbreitet ist hierbei das so genannte Berliner Testament. Das gemeinschaftliche Testament hält neben gewissen Formerleichterungen auch sonstige Vorteile für die Ehegatten/eingetragenen Lebenspartnern gegenüber einem „sonstigen" Testament bereit.

Die Erbschaft

Wenn ein Mensch verstirbt und Vermögen hinterlassen hat, stellt sich für die Hinterbliebenen - Familienangehörige, aber auch Freunde und Bekannte - die Frage, wer die verstorbene Person beerbt. Grundsätzlich richtet sich die Erbfolge nach dem Gesetz. Nur wenn die verstorbene Person ein Testament errichtet hat, in welchem der letzte Wille der verstorbenen Person festgehalten wurde, tritt die gesetzliche Erbfolge dahinter zurück.


1. Wer beerbt den Erblasser nach dem Gesetz?


Die gesetzliche Erbfolge ist in den §§ 1924 ff. BGB geregelt. Das Gesetz unterscheidet dabei zwischen Erben erster, zweiter, dritter, vierter, fünfter und weiterer Ordnungen. Ein Verwandter einer vorherigen Ordnung schließt Verwandte nachfolgender Ordnungen aus. Innerhalb einer Ordnung erben die Verwandten grundsätzlich zu gleichen Teilen.


Erben der ersten Ordnung sind Abkömmlinge des Erblassers (Kinder, Enkel, Urenkel, et cetera), § 1924 BGB

Erben der zweiten Ordnung sind die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, § 1925 BGB

Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, § 1926 BGB

Erben vierter Ordnung sind die Urgroßeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, § 1928 BGB

Erben fünfter und entfernterer Ordnung sind die weiteren Voreltern des Erblassers.


2. Anordnungen in einem Testament


Der Erblasser kann durch Errichtung eines Testamentes von der gesetzlichen Erbfolge abweichende Regelungen treffen. So kann er bestimmte Personen, welche ihn nach dem Gesetz nicht beerben würden, als Erben einsetzen. Auch kann er Anordnungen zur Erbquote treffen. Insoweit ist der Erblasser sowohl in der Wahl seiner Erben als auch der Wahl der Erbquote frei.

 

Der Pflichtteil

Wird ein Anghöriger von der Erbfolge ausgeschlossen, dann stellt sich die Frage, ob dieser Erbausschluss vollständig ist oder ob nicht auch dem nicht bedachten Erben nicht Teile der Erbschaft zustehen. Diese Frage regelt das Pflichtteilsrecht.

1. Pflichtteil - Was ist das?

Durch den so genannten Pflichtteil wird sichergestellt, dass bestimmte Angehörige eines Erblassers unabhängig von dessen Willen in einem gesetzlich bestimmten Umfang am Nachlass zu beteiligen sind.

2. Wer ist pflichtteilsberechtigt?

Wer pflichtteilsberechtigt ist, steht im Gesetz. Danach steht der Pflichtteil ausschließlich

- Abkömmlingen,
- Eltern
und
- dem Ehegatten bzw. dem eingetragenen Lebenspartner

des Erblassers zu.


3. Wann entsteht der Pflichtteilsanspruch?


Voraussetzung für das Entstehen eines Pflichtteilsanspruches ist, dass der Erblasser durch Verfügung von Todes wegen - Testament - Personen von der Erbfolge ausgeschlossen und damit enterbt hat. Daneben kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ein als Erbe berücksichtigter pflichtteilsberechtigt sein, nämlich dann, wenn der Erbteil z.B. beschränkt oder belastet ist.

4. Gegen wen richtet sich der Pflichtteilsanspruch?

Der Anspruch des Pflichtteilsberechtigten richtet sich gegen den bzw. die Erben des Erblassers, d.h. diejenigen Personen, die vom Erblasser testamentarisch als Erben eingesetzt wurden.


5. Wie hoch ist der Pflichtteil?


Die Höhe des Pflichtteils bestimmt sich nach dem gesetzlichen Erbteil. Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils.

6. Wie wird der Pflichtteilsanspruch abgegolten?

Der Pflichtteilsanspruch richtet sich nicht auf bestimmte Gegenstände der Erbmasse. Er ist vielmehr ein Anspruch auf Geld in Höhe der Pflichtteilsquote am Nachlass.


7. Wann wird der Pflichtteilsanspruch fällig?


Der Anspruch des Pflichtteilsberechtigten entsteht sofort, ist somit bei Eintritt des Erbfalls fällig.


8. Was mache ich, wenn ich pflcihtteilsberechtigt bin?

Die Verfolgung erbrechtlicher Ansprüche birgt doch recht zahlreiche Fallstricke. Hier ist in jedem Fall anzuraten, dass Sie eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen sollten. Innerhalb der Beratung kann z.B. auch ermittelt werden, ob Ihnen auch noch Ansprüche wegen Schenkungen zustehen, die der Erbe in den letzten Jahren vorgenommen hat.

Gern können Sie sich mit uns über eine unserer Beratungsstellen in Verbindung setzen. Die jeweilige Telefonnummer können Sie am rechten Rand dieser Webseite entnehmen.

 

 

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